Melodien aus dem Apotheken-Giftbuch

Veröffentlicht: Freitag, 19. November 2021 Geschrieben von Detlef Lang

50 Zuhörer beim Konzert der deutschen Folkband „Deitsch“ im Schulforum

Die Folkgruppe Deitsch gastierte auf Einladung des Literatur- und Kunstkreises Uslar im Forum des Gymnasiums. FOTO: MARTIN GAEBLER/NH
Die Folkgruppe Deitsch gastierte auf Einladung des Literatur- und Kunstkreises Uslar im Forum des Gymnasiums. FOTO: MARTIN GAEBLER/NH

Uslar – Die Folkband Deitsch begeisterte im Forum des Gymnasiums Uslar mit einem abwechslungsreichen, schwungvollen Konzert. Selbstvertonte Balladen deutscher Dichter im Stil traditioneller europäischer Folkmusik sowie neu interpretierte bekannte Volkslieder und Tanzmelodien wie Polkas, Menuette, Polonaisen oder „Zwiefache“ aus alten Notenhandschriften wurden zu Gehör gebracht und informativ moderiert.

Etliche der alten Tänze stammten aus dem Giftbuch einer Wittenberger Apotheke von 1768, auf dessen unbeschriebenen Rückseiten Notenhandschriften entdeckt wurden. Das Publikum erfuhr, dass traditionelle deutsche Tanzmusik, die zu feierlichen Anlässen gespielt wurde, häufig nicht als Noten niedergeschrieben, sondern nur musikalisch überliefert wurde. Nur gebildete Musiker konnten schreiben oder Noten lesen.

So vielfältig wie die deutsche Sprache mit all ihren Dialekten ist auch der Charakter der Musik, der durch ungerade Takte und außergewöhnliche Rhythmik und Betonungen alles andere als eintönig wirkt. Das Ensemble kam zwar in anderer Besetzung, als angekündigt, denn Barbara Hintermeier (Geige) war ausgefallen und wurde vertreten von Franziska Gabriel am Akkordeon, der Ehefrau des Flötisten, Dudelsackspielers und Instrumentenbauers Steffen Gabriel – eine gute Ergänzung durch wohldosierte tragende Bässe und Melodielinien.

Das aus der Pfalz und Baden-Württemberg stammende Musikerpaar Gudrun Walther und Jürgen Treyz begann mit Deitsch als Duo – seit 2019 gibt es das Ensemble als Quartett. Das Konzert endete mit einem Trinklied – dem „Wiatshaus-Zwiefachen“ – als musikalisches Streitgespräch zwischen den Frauen und den Männern, in dem die Frauen darüber schimpfen, dass der Mann auf dem Heimweg von seiner Stammkneipe magisch angezogen wird und nie daran vorbeigehen kann.

Als Zugabe gab es „Ade nun zur guten Nacht“ für den Heimweg. Nur knapp 50 Zuhörer waren im Schulforum dabei – offenbar wegen des steigenden Corona-Infektionsrisikos – so waren große Abstände ohne Probleme einzuhalten. bk

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 19. November 2021

Zugriffe: 362