Treueschwur für die Kultur

Veröffentlicht: Dienstag, 24. September 2019 Geschrieben von Detlef Lang

Beliebte Veranstaltung mit ungebrochener Anziehungskraft

Schmökerrunde in der Stadtbücherei: Während der Nacht der Kultur in Uslar blätterten (von links) Anna Kobbe, Sinead Joeris, Marcus Globisch sowie Wilhelm und Hella Heise in Büchern. FOTO: HANS-PETER NIESEN
Schmökerrunde in der Stadtbücherei: Während der Nacht der Kultur in Uslar blätterten (von links) Anna Kobbe, Sinead Joeris, Marcus Globisch sowie Wilhelm und Hella Heise in Büchern. FOTO: HANS-PETER NIESEN

Uslar – Die 12. Nacht der Kultur in Uslar hat mit einem bunten Veranstaltungsmix ihre ungebrochene Anziehungskraft bewiesen. Wie in den Vorjahren pilgerten die Menschen von einem Veranstaltungsort zum nächsten. Befürchtungen, die Besucherzahlen der Kulturnacht würden massiv unter einer dem Street Festival an der Wiesenstraße leiden, stellten sich als unbegründet heraus.

„Nur punktuell hat es weniger Besucher als sonst gegeben“, sagte Mitorganisatorin Gaby Scholz noch in der Nacht. Gleichwohl hoffen Beteiligte und Gäste, dass es bei der nächsten Kulturnacht am Samstag, 26. September 2020, nicht wieder zu einer Überschneidung kommt. Dafür sprach sich auch Bürgermeister Torsten Bauer am Tag danach aus.

Das bunt gemischte Programm lockte nicht nur Stammgäste aus dem Uslarer Land an. Eine Besucherin kam sogar aus Toronto in Kanada. Martha Cunningham, die zurzeit in Göttingen lebt, war total begeistert. „Was für ein schönes kleines Städtchen“, sagte sie über ihren ersten Besuch in der Stadt.

Eine Fotoausstellung auf dem Brunnen im Laves-Park zeigten (von links) Kiana (17) und Marie (18), dabei waren zudem Marco (16) und Theresa (15). FOTO: HANS-PETER NIESEN
Eine Fotoausstellung auf dem Brunnen im Laves-Park zeigten (von links) Kiana (17) und Marie (18), dabei waren zudem Marco (16) und Theresa (15). FOTO: HANS-PETER NIESEN

Und dann so ein vielfältiges Programm: In vielen Fällen von Bürgern für Bürger gemacht. Mit die Jüngsten dürften die Jugendlichen der Fotogruppe Uslar mit Kiana (17), Marie (18), Marco (16) und Theresa (15) gewesen sein. Sie hatten die erste Fotoausstellung auf dem Wasser des Brunnens im Laves-Park organisiert: Dort zeigten sie sanft auf dem Nass schaukelnde Schwarz-Weiß-Motive unter anderen aus Hannover, Berlin und Prag.

Wer wissen wollte, welches Foto in Eschershausen aufgenommen wurde, musste jedoch mit ihnen sprechen. Unterdessen klangen aus der benachbarten St. Johannis- Kirche die mitreißenden Lieder des Gospel-Chors unter der Leitung von Ole Hesprich, mit dem die Musik- Nacht in der Kirche eröffnet wurde.

Der Gospelchor St. Johannis beteiligte sich mit der Nacht der Musik in der St.-Johannis-Kirche am Programm der Nacht der Kultur. FOTO: HANS-PETER NIESEN
Der Gospelchor St. Johannis beteiligte sich mit der Nacht der Musik in der St.-Johannis-Kirche am Programm der Nacht der Kultur. FOTO: HANS-PETER NIESEN

Ein bisschen weiter, im Museumsstübchen, tauchten unter anderem Justus Pahlow und Ralf Jasper vom Literatur- und Kunstkreis in die Welt des Bieres ein. Köstlich Heinrich Bölls immer wieder gern gehörte Geschichte aus dem Irischen Tagebuch über die Begründung, warum Salz im Schinken und zu viel Pfeffer im Kohl unbedingt nach dem Genuss von Bier verlangen.

Als Markus Gattermann Udo Jürgens Hit „Griechischer Wein“ nicht ganz passend anstimmte, übernahm das Männerquartett Johannes Bergmann, Justus Pahlow, Ralf Jasper und Reinhold Döhler kurzerhand die Umwidmung in „Uslarer Bier.“

Kaum weniger amüsant ging es in der überfüllten Volksbank zu, in der Bernd Homeyer in Schauspielerlaune Geschichten von Wilhelm Busch vortrug, begleitet von den jungen Talenten Anisja Knüppel (Geige) und Emma Koester (Ukulele, Gitarre und Gesang). » ARTIKEL UNTEN

Emlin Borkschert las im Gewölbekeller. FOTO: HANS-PETER NIESEN
Emlin Borkschert las im Gewölbekeller. FOTO: HANS-PETER NIESEN
Emlin Borkschert las im Gewölbekeller. FOTO: HANS-PETER NIESEN
Emlin Borkschert las im Gewölbekeller. FOTO: HANS-PETER NIESEN

Geklauter Gartenzwerg trübt Stimmung

In der Stadtbücherei Uslar war die anfänglich gute Stimmung von Yvonne Pischel zur Nacht der Kultur beträchtlich gesunken. Grund: Unbekannte hatten den Gartenzwerg vor der Bücherei geklaut, der zur Ausstellung über das Thema Gleichstellung einlud.

Gestohlen: Gartenzwerg, der vor der Stadtbücherei stand. FOTO: STADTBÜCHEREI
Gestohlen: Gartenzwerg, der vor der Stadtbücherei stand. FOTO: STADTBÜCHEREI

Das hinderte Anna Kobbe, Sinead Joeris, Marcus Globisch sowie Wilhelm und Hella Heise aber nicht daran, mit einem Gläschen Sekt anzustoßen und in den Büchern zu blättern.

Krimispannung gab es etwas tiefer im Gewölbekeller des Alten Rathauses. Dort las Emlin Borkschert vor voll besetzten Stuhlreihen aus seinem neuesten Werk „Rabenvatersorgen“. Wer dabei an Schwärze dachte, war anschließend bei Andrea Vaupel im Patchwork-Shop an der richtigen Adresse. Sie stellte dort schwarze, genähte Schattenrisse aus. Sie selbst war natürlich auch in dieser uralten Technik zu sehen.

Zum Entspannen empfahl sich ein Abstecher zum African Culture Club im Forstgarten, um dort dem immer freundlichen Dady King aus Gambia und seinen Freunden beim Trommeln zuzuhören oder mitzumachen und um schließlich Feuer-Jonglage mit Ronja zu genießen. Viele weitere attraktive Stationen lockten noch und zugleich die Vorfreude auf die nächste Nacht der Kultur – und dann hoffentlich ohne Konkurrenzveranstaltung. zhp

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 24. September 2019

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