Literatur- und Kunstkreis Uslar e.V.
Veranstaltungs-Rückblicke 2010
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Dreierlei köstliche Kostproben
Auftaktveranstaltung des Literatur -und Kunstkreises: Lesung, Musik und Essen

Dreierlei köstliche Kostproben

Vortragende beim Jahresauftakt des Literatur- und Kunstkreises Uslar. Foto: Röber
USLAR. Der Literatur- und Kunstkreis Uslar hat zum Auftakt für sein Jahresprogramm nicht nur literarische Kostproben aus den eigenen Reihen präsentiert. Im Hotel Menzhausen in Uslar gab es zudem musikalische Kostproben von Jan-Erik Müller-Zitze (Bodenfelde) mit eigenen Kompositionen am Klavier und kulinarische Genüsse unter dem Motto "Flying Buffet" aus der Küche des Hauses.

Der Auftakt war somit inhaltlich gehaltvoll und auch die Resonanz war gut. Es kamen 60 Besucher und damit mehr als erwartet.

Lieblings-Literatur

Das Programm mit Auszügen aus der Lieblings-Literatur von Mitgliedern und Gästen nahm drei Stunden in Anspruch. Vortragende des Abends waren:
  • Vorsitzender Justus Pahlow mit Gedichten von Goethe und Kästner,
  • Wolfgang Gerlts mit dem "Kaschubischen Weihnachtslied",
  • Schüler des Seminarfachkurses "Nonsens als Kulturkritik" des Gymnasiums Uslar mit Dr. Hermann Weinreis ("Unsinn, aber nicht sinnlos!") mit Gedichten von Ringelnatz,
  • Christina Bolte mit Werken der Lyrikerin Mascha Kaleko,
  • Gerda Tecklenburg mit Lyrik von Anna Luise Braun,
  • Jürgen Moderegger mit einer Passage aus "Der Spieler" von Fjodor Dostojewski,
  • Kristina Bäthe mit einem Essay aus "Einsteins Träume" von Alan Lightman und
  • Jürgen Bäthe mit einem Reisebericht aus "Die letzten ihrer Art" über aussterbende Tierarten von Douglas Adams (bekannt von "Per Anhalter durch die Galaxis") und Mark Carwardine.
(rö)

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HNA - Sollinger Allgemeine, 28. Januar 2010
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Mut zur Wohn-Gemeinschaft
Henning Scherf (71) wirbt mit Mehrgenerationen-Modell für aktives Leben im Alter

Mut zur Wohn-Gemeinschaft

Ein ganz Großer: Der 2,05 Meter große Henning Scherf verriet am Dienstag dem Uslarer Publikum im Saal des Hotels Menzhausen, dass ihm der Solling vertraut ist, weil er in Dassel in seiner Jugend das erste Mal ein Mädchen geküsst habe. (Foto: Dumnitz)
USLAR. Als der wohl berühmteste Bewohner einer Wohngemeinschaft (WG) in Deutschland gilt Henning Scherf, ehemaliger Bürgermeister und Senatspräsident von Bremen, der seit 22 Jahren in einer Mehrgenerationen-WG im Bremer Bahnhofsviertel lebt. Im mit 120 Zuhörern besetzten Saal des Hotels Menzhausen erzählte der 71-Jährige auf Einladung des Literatur- und Kunstkreises von neuen Lebensentwürfen im Alter. Zuvor hatte er jeden Gast per Handschlag begrüßt und so eine vertraute Atmosphäre geschaffen.

Sein Einzug in eine WG hatte für Scherf viele Gründe. Die Menschen werden immer älter. Das ist auf der einen Seite zu begrüßen. Gleichzeitig aber stellt er fest, dass sie wegen der fehlenden Großfamilie auch immer einsamer werden. Kinder ziehen weg, der Partner stirbt, man sitzt allein in seinem Haus, leidet unter der Einsamkeit und dem Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Altersdepressionen, eine Hauptursache der Einsamkeit, sind oft die Folge.

Das Sterben, das früher mitten in der Familie stattfand, wird immer mehr aus dem Leben ausgeklammert und die Begleitung in den Tod lieber den Mitarbeitern in Heimen überlassen. Das Sterben wird ausgelagert, für ihn ein Skandal. Wir muten uns die fundamentale Erfahrung einer Sterbebegleitung nicht mehr zu. Wir dürfen heute nicht mehr "mitten drin sterben", wie Scherf es gerne möchte.

Wohngemeinschaften helfen, die Einsamkeit im Alter und die Ängste, besonders die vor dem Tod zu überwinden. Davon ist Scherf überzeugt und wirbt authentisch für das Mehrgenerationen-Modell. "Gemeinsam statt einsam" ist sein Motto.

Große soziale Rendite

Wenn wir mehr aufeinander achten, gibt es als Lohn eine große "soziale Rendite": Es kommt ganz viel auf den Gebenden zurück.

Nach seinem Vortrag entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bei der deutlich wurde, dass es neben Sympathie auch Ängste gibt, eine solches WG-Projekt zu starten. Einige fühlten sich in finanziellen, organisatorischen und sozialen Bereichen überfordert und scheuen sich, einen solchen Schritt zu tun.

Scherfs Antwort: "Reden ist Silber, Tun ist Gold". Sein Rat: Einfach anfangen, das Wagnis eingehen, in kleinen Schritten etwas tun und nicht verzweifeln, wenn sich Misserfolge einstellen. Eine Erfolgsgarantie gebe es leider nicht. Das nationale Forum "Gemeinschaftlich Wohnen"in Hannover gibt Hilfestellung, hieß es.

Scherfs Ausführungen wurden mit viel Beifall belohnt. Während der anschließenden Signierstunde beantwortete Henning Scherf weitere Fragen.

Begrüßt wurde der Bremer, der Präsident des Deutschen Chorverbandes ist, von den Chören Liedertafel Uslar und Harmonie Wiensen sowie dem gemischten Chor "Joy of Music", alle unter der Leitung von Marina Solowjewa. Scherf bedankte sich sichtlich gerührt von diesen Ständchen für die gelungene Überraschung.

Zum Abschied überreichte LuK-Vorsitzender Justus Pahlow dem Bremer eine Stracke und Uslarer Bier. Scherf bedankte sich mit den Worten: "Ich war sehr gern bei Euch in Uslar." (red) Foto: Dumnitz

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HNA - Sollinger Allgemeine, 26. Februar 2010
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Lachmöwen auf Heulbojen
Ausverkaufter Auftritt der Leipziger Pfeffermühle beim Literatur- und Kunstkreis

Lachmöwen auf Heulbojen

Grandios: Das Ensemble "Krötenwanderung" des Leipziger Kabaretts Pfeffermühle mit (von links) Burghard Damrau, Franziska Schneider und Dieter Richter. Foto: Schneider
ESCHERSHAUSEN. Es ging nicht um die Krötenwanderung, die im Uslarer Land mit dem Frühling zurzeit an ganz bestimmten Stellen einsetzt. Es ging auch nicht um Umweltpolitik und "um die grüne fleischgewordene Biotonne Claudia Roth".

Es ging um die Wanderung der Kröten, also des Geldes, durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, auf die sich das Leipziger Kabarett Pfeffermühle in seinem aktuellen Programm eingeschossen hat und beim Gastspiel auf Einladung des Literatur- und Kunstkreises Uslar im Gasthaus Johanning in Eschershausen 250 Zuhörer mit einem kabarettistischen Dauerbeschuss begeisterte. Beinahe jeder Satz des Trios mit Franziska Schneider, Burkhard Damrau und Dieter Richter war Witz, Satire, Parodie, Anspielung, Wortspiel oder Komik.

Dabei ließ das Ensemble im Zusammenhang mit den Folgen der Finanzkrise kein Thema aus: Kirchen, Krankenversicherungen und Hartz IV-Problematik oder Manager, die sich nach der Pleite mit 50 Millionen Euro abfinden müssen. Herrlich war die Geschichte mit den Managern im Flüchtlingsstrom nach Liechtenstein, wo in Erinnerung an sie ein Denkmal errichtet wird mit der Inschrift "Wir bekamen nie, was wir verdienten!".

Bitterböse war die Satire mit der Kampagne "Deutschland stirbt aus! Du wirst Deutschland: Ein Baby für Merkel", mit der verhindert werden soll, dass sich in überfüllten Altenheimen mohammedanische Pflegerinnen für den Krieg in Afghanistan rächen.

Immer wieder kehrte das Ensemble zur Krötenwanderung zurück: "Sie wandern, wie man sieht, wie Lemminge auf Speed," hieß ein Refrain über die Auswirkungen der Krise und den Geldfluss in falsche Kanäle. Die Pfeffermühle beschrieb das so: "An der Ostsee verziehen sich die Lachmöwen auf Heulbojen."

Liebe deinen Nächsten

Das Trio inszenierte zudem den ersten Versuche einer Homosexuellen-Scheidung. "Liebe deinen Nächsten", will die Pfarrerin noch die Ehe retten. "Ich habe schon den Nächsten", antwortet einer der beiden trennungswilligen Homosexuellen vor dem Scheidungsaltar. Der Arztbesuch entwickelte sich bei dem Kabarett-Ensemble zu einer für den Mediziner profitablen Krankheitssuche, bei der ihm eine Buchhalterin und keine Arzthelferin zur Seite steht und die Gesundheit keine Rolle mehr spielt. Für den Höhepunkt der solistischen Einlagen sorgte Dieter Richter als Sprachakrobat, der in seiner Bundestagsrede ständig mehr Buchstaben ausließ. Köstliches Kabarett.

Dafür gab es nicht nur kräftigen Applaus, sondern zum Abschluss von Justus Pahlow, dem Vorsitzenden des Literatur- und Kunstkreises, augenzwinkernd eine "Krötenwurst" aus dem Uslarer Land: Es waren verdientermaßen gute Stracke aus Uslar, die an Flaschen mit Uslarer Bier hingen. (fsd)

Mehr Bilder vom Kabarettabend im Internet unter: www.hna.de/foto

Von Frank Schneider

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HNA - Sollinger Allgemeine, 23. März 2010
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Dixieland mit Runzel-Reimen
Konzert mit Naldo´s Jazz Family beim Literatur- und Kunstkreis im Gasthaus Johanning

Dixieland mit Runzel-Reimen

Naldo´s Jazz Family begeisterte: Peter Krönes (Kontrabass/von links), Norbert Schuster (Posaune), Achim Bräuer (Schlagzeug), Rüdiger Colditz (Kornett), Regine Suhr (Banjo) und Naldo Suhr, hier an der Klarinette. Foto: Röber
USLAR. Der Literatur- und Kunstkreis (LuK) Uslar organisierte auch in diesem Jahr einen Jazz-Abend, diesmal mit der Kölner Formation "Naldo’s Jazz Family". Spezialist für Jazz und die Auswahl der Bands ist beim LuK Friedrich Trillhaas, der erneut einen Volltreffer landete.

Der Saal im Gasthaus Johanning in Eschershausen war mit 120 begeisterten Zuhörern gefüllt, die sich an der "swinging Dixieland Jazz" genannten Mischung klassischer Jazz-Stile erfreuten, die zudem Blues und auch karibische Klänge auf der Steeldrum enthielt.

Die Musiker stehen schon seit über 20 Jahren auf der Bühne, haben schon die Produktion mehrerer CDs hinter sich, und so wundert es nicht, dass die einzelnen Instrumental-Soli, egal ob auf Trompete, Posaune, Mundharmonika oder Steeldrum, von höchster Qualität waren und mit zum Teil stürmischem Szenenapplaus aus dem Publikum belohnt wurden.

Besonders Multi-Instrumentalist Naldo Suhr (Keyboard, Saxophon, Klarinette, Mundharmonika, Steeldrum, Flöte) glänzte nicht nur mit tollen Soli auf den unterschiedlichsten Instrumenten, sondern auch mit kleinen Gedichten, die das Programm auflockerten und zu einer besonders heiteren Atmosphäre beisteuerten.

Er trug aus seinem Gedichtband "Alles nur Lachfalten – Reife Runzel Reime" einige Passagen vor, die meistens das Leben im Alter selbstironisch bis makaber auf die Schippe nahmen. Das Publikum, größtenteils auch nicht mehr ganz jung, konnte darüber aus vollem Herzen lachen.

Naldos Frau Regine Suhr spielte Banjo und Gitarre, während Peter Krönes am Kontrabass mit dem als Ersatz eingesprungenen Achim Bräuer am Schlagzeug den Rhythmus vorgaben, und Rüdiger Colditz und Norbert Schuster mit Kornett und Posaune für die typischen Bläserklänge zum Jazz sorgten. (rö)

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HNA - Sollinger Allgemeine, 15. Juni 2010
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Blicke über die Grenze
Großes Interesse an deutsch-polnischem Literaturpreis – Jury wählt Siegertexte aus

Blicke über die Grenze

Literaturpreis: Aus 70 Beiträgen suchte die Jury mit (von links) Ursula Rath-Wolf, Christa Erlemann, Bettina Wolf, Gabriele Herzog und Jürgen Moderegger die Siegertexte aus. Foto: Christel Reimer/nh
USLAR. Mit der Ausschreibung des fünften Uslarer Literaturpreises ist der Literatur- und Kunstkreis (LuK) auf unerwartet großes Interesse gestoßen. Denn das Thema "Deutsch-Polnische Grenzerfahrungen einer jungen Generation" interessiert nicht nur die angesprochenen jungen Autoren.

Von sich aus hätten sich mehrere Interessierte für die Schirmherrschaft gemeldet. Der Preis habe mit seiner Thematik in beiden Ländern besondere Beachtung gefunden, sagt der Luk-Vorsitzende Justus Pahlow. Auf deutscher Seite wird nun die ehemalige Bundestagspräsidentin, Dr. Rita Süssmuth, die auch Mitglied der deutsch-polnischen Gesellschaft Göttingen ist, Schirmherrin. Für die polnische Seite übernimmt diese Aufgabe der Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Dr. Marek Prawda.

"Wir haben wieder Erwarten einen Knüller gelandet", freut sich Pahlow über die Resonanz. Die Fantasie beflügelte das Thema auch auf Seiten der Autoren, die maximal 35 Jahre alt sein dürfen.

Obwohl die Beiträge angesichts der vorgeschriebenen deutsch-polnischen Perspektive weniger international als in den Vorjahren ausfielen, flatterten allein der deutschen Jury 70 Texte auf den Tisch. Parallel zur fünfköpfigen deutschen Jury suchen Fachleute in Schlochau nach dem besten Text in polnischer Sprache. Für die beiden Siegertexte gibt es je 1000 Euro Preisgeld.

Preisträger bleibt geheim

Die deutsche Jury hat sich bereits entschieden. Nach lebhafter und engagierter Diskussion sei die Entscheidung einvernehmlich und einstimmig gefallen, sagt Jury-Mitglied Christa Erlemann.

Obwohl alle Details zu den preisgekrönten Texten und die Namen ihrer Verfasser bis zur Preisverleihung am 29. Oktober im Alten Rathaus von Uslar ein Geheimnis bleiben sollen, deutet die Jury schon einmal die Vielseitigkeit der "Grenzerfahrungen" an.

In den Texten spüre man das Bemühen der jungen Generation, die immer noch nicht ganz ausgeräumten Vorurteile in den Köpfen zu überwinden, was meistens, aber nicht immer gelinge. Es gebe nach wie vor zwischen Deutschen und Polen Trennendes, aber auch mehr und mehr Gemeinsamkeiten, sagt Pahlow. So handele zum Beispiel eine Geschichte von einer Bahnreise von Warschau nach Berlin, während der sich ein deutsch-polnisches Paar nahe kommt, um am Ziel zu merken, dass man doch nicht zueinander passe.

Blick in die Zukunft

"Das Trennende liege in der Vergangenheit, das Gemeinsame in der Gegenwart und Zukunft", interpretiert die Jury. Der Wunsch aufeinander zuzugehen und zum Beispiel durch Reisen und persönliche Kontakte einen neuen Anfang zu versuchen, werde in den Texten überdeutlich. (shx)

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HNA - Sollinger Allgemeine, 12. Juli 2010
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Mozart mit Kuhglocken
Mit Witz und meisterhaft gespielter Musik begeisterten "Gogol & Mäx" in Uslar

Mozart mit Kuhglocken

Ungleiches Duo: Während Gogol (links) von einem Solo am Piano träumt, stiehlt ihm Mäx, der fast jedem Gegenstand Töne entlocken kann, immer wieder die Schau. Foto: Schmidt-Hagemeyer
USLAR. Kopfüber Piano spielen, mit Kuhglocken Bach läuten oder ein Solo am Suppenschüssel-Schlagzeug – virtuos und witzig jagten "Gogol & Mäx" in Uslar von Nummer zu Nummer.

Mit dem Auftritt der beiden Musik-Clowns hat der Literatur- und Kunstkreis (LuK) einen Sommerhit im Kulturprogramm des Sollings gelandet. Und dies ganz unerwartet. Denn der Vorverkauf lief eher schleppend. Trotzdem füllten am Dienstagabend 130 Besucher – darunter viele von außerhalb – die Zuschauerränge im Forum des Gymnasiums, um sich bereits nach Minuten vor Lachen zu schütteln.

Kein Solo am Piano

Dabei schaut zumindest Gogol eher ernst drein. Mit der Komponisten-Büste auf dem Klavier und im schwarzen Frack will er Bach, Mozart, Beethoven und Chopin spielen und zwar "Piano solo". Doch daraus wird nichts.

Mit immer wieder neuen Einfällen und Attacken weiß Dauerkonkurrent Mäx die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu lenken. Er schleppt ein Alphorn auf die Bühne, trommelt mit dem Handfeger auf dem Kehricht-Eimer und entlockt einem Kinderglockenspiel ungeahnte Töne, indem er mit einem Geigenbogen über den Rand der Metallplättchen streicht.

"Musica barbaria basta" fordert Gogol, doch das Publikum ist begeistert. Denn die Einlagen von Mäx und Gogol sind nicht nur witzig, sondern auch musikalisch virtuos vorgetragen. Obendrein zeigt das Duo aus Baden-Württemberg, das seit 1992 gemeinsam auftritt, akrobatische Klettereien auf und rund um das vielstrapazierte Piano herum.

Beste Unterhaltung

Auch die Zuschauer kommen nicht ungeschoren davon. Als Mäx mit Tellern jongliert, fliegen einige in den Saal. Ein Schreckensruf geht durch die Reihen, auf die allerdings nur Pappteller niedersegeln. Glücklich klatscht das Publikum und bedankt sich mit Applaus für einen Abend bester Unterhaltung.

Von Kornelia Schmidt-Hagemeyer

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HNA - Sollinger Allgemeine, 14. Juli 2010
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Liebe, Lust und Lustverlust
Kabarett im Kulturbahnhof mit Lioba Albus: Zwei Stunden ein Pointe nach der anderen

Liebe, Lust und Lustverlust

Frau mit vielen Gesichtern: Lioba Albus als Mann. Foto: Porath
USLAR. Mit sauerländischem Zungenschlag, rollendem "R" und viel Temperament überraschte das One-Woman-Kabarett Lioba Albus alias Mia Mittelkötter die Gäste des Literatur- und Kunstkreises Uslar beim Auftritt im Kulturbahnhof. Wer sich unter dem Programm "Mit heißem Herzen – über Liebe, Lust und Lustverlust" der aus Funk und Fernsehen bekannten Kabarettistin einen heiter romantischen Abend versprochen hatte, erlebte eine Show nach dem Motto Sex, Drogen, Rock’n’Roll und Politik.

Bei Lioba Albus alter Ego Mia Mittelkötter geht es zur Sache. Die Westfälin im reifen Alter mit der Margaret-"Tättscher"-Frisur gehört zu den Frauen, die dem Leben ins Gesicht blicken und unter die Gürtellinie. Mit scharfer Zunge vergleicht sie die eigene Jugend, als man noch "miteinander ging", mit der heutigen, die "sofort miteinander liegt".

Ihre Beschreibung des Kleidungsstils – "Alles, was an Fleisch nicht in die Hose passt, wird unverbindlich über den Gürtel gelegt. Daher der Ausdruck Gammelfleisch" – der Haltung und Verhaltensweisen kommt an beim Publikum, das die Pointen mit Lachen und zustimmendem Nicken belohnt. Mia Mittelkötter steht zu ihrer katholisch-sauerländischen Herkunft, die ganz klar regelt, wie Ehen entstehen: "Hasse drangepackt, musse nehmen."

Erbsünde abarbeiten

Reduziert Albus die Liebe in ihrem Programm oft genug auf Fleischeslust, was sie gut katholisch als "die Erbsünde abarbeiten" bezeichnet, wird es fast romantisch und auf jeden Fall praktisch, wenn sie beschreibt, warum Frau sich einen Mann angeln sollte, dessen Vorzüge rein äußerlich nicht zu sehen sind: Der mähe wenigstens nicht auf Nachbars Wiese.

Nicht nur die Männer bekommen ihr Fett weg, auch die Frauen sollten an diesem Abend über sich lachen können. Frauen lieben Krisen, stellt sie etwa fest. Wie Trüffelschweine würden sie diese finden, auch wenn keine da sei oder noch "30 Meter unter der Erde" liege.

Albus spielt an diesem Abend gleich mehrere Rollen, betrachtet ihr Thema von verschiedenen Seiten. Ob als bester Freund, der dem Kumpel zum 50. gesteht, dass seine Ehe nur funktioniert, weil seine Frau ihn betrügt, als Mia Mittelkötter, die über die Vorteile einer dauerhaften Ehe räsoniert, oder als nach männlicher Abwechslung dürstender Vamp mit Blume im Haar und Plateau-Sandalen.

Zwei Stunden feuert sie fast ohne Punkt und Komma eine Pointe nach der anderen ab, landet mal unter der Gürtellinie, mal darüber und zeigt dabei doch feinsinnigen Humor. Das Publikum im mit 120 Plätzen voll besetzten Kulturbahnhof dankt es ihr mit langem Applaus. "Ich bin wie Fußpilz, ich komme wieder", heißen Albus Abschiedsworte, die alle gerne hören. (yp)

Von Gudrun Porath

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HNA - Sollinger Allgemeine, 17. August 2010
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