Mit Schreiber im Glück

Veröffentlicht: Dienstag, 12. September 2023 Geschrieben von Detlef Lang

Lesung mit Tagesschau-Sprecher nahezu ausverkauft

Ein Abend voller Glücksmomente: Tagesschausprecher Constantin Schreiber (Mitte) präsentierte sein neues Buch „Glück im Unglück. Wie ich trotz schlechter Nachrichten optimistisch bleibe“ im Gespräch mit Ralf Jasper (links) und Volker Fuchs. Foto: Gudrun Porath
Ein Abend voller Glücksmomente: Tagesschausprecher Constantin Schreiber (Mitte) präsentierte sein neues Buch „Glück im Unglück. Wie ich trotz schlechter Nachrichten optimistisch bleibe“ im Gespräch mit Ralf Jasper (links) und Volker Fuchs. Foto: Gudrun Porath

Uslar – Der Literatur- und Kunstkreis Uslar hatte am Freitagabend gleich mehrere Glücksmomente. Der Zug, mit dem der Gast Constantin Schreiber aus Hamburg angereist war, kam pünktlich an. Der Tagesschausprecher zeigte sich ausgeschlafen, obwohl er gerade eine Nachtschicht hinter sich hatte. Das Forum des Gymnasiums Uslar, in das die Lesung wegen der großen Nachfrage aus dem evangelischen Gemeindehaus verlegt worden war, war fast ausverkauft.

Schreiber war gekommen, um sein neues Buch „Glück im Unglück“ vorzustellen, in dem er Wege aufzeigt, trotz aller Hiobsbotschaften optimistisch zu bleiben. Doch zunächst wunderten sich die Zuhörer – darunter viele Ehrenamtliche – die die evangelische Kirchengemeinde als Dank für ihre Arbeit eingeladen hatte. Denn statt eines Stuhls standen drei Stühle hinter einem Tisch auf der Bühne. Darauf nahmen drei Personen Platz: Ralf Jasper und Volker Fuchs vom Vorstand des Literatur- und Kunstkreises und in ihrer Mitte Constantin Schreiber.

Zweite Überraschung: Der Tagesschausprecher, den man vor allem im perfekt sitzenden Anzug kennt, kam ganz lässig in T-Shirt und Freizeithose und machte auch darin eine gute Figur.

Dritte Überraschung: Aus der Lesung wurde über weite Strecken ein Gespräch, an dem sich auch das Publikum beteiligen durfte. Das habe sich Schreiber so gewünscht, sagte Jasper. Im Gespräch erfuhren die Zuhörer mehr über den Menschen Schreiber. Nach dem Abitur ist er auf Einladung von Bekannten seiner Eltern nach Syrien gegangen. Dort war Constantin Schreiber gezwungen, Arabisch zu lernen. „Englisch konnte niemand“, sagte er den Zuhörern mit seiner wohltönenden Stimme. Dann habe er Jura studiert, weil das sicher sei, und bei einer Bank gearbeitet, bevor seine Karriere als Fernsehjournalist begann.

Über die Gepflogenheiten bei der Tagesschau verriet Constantin Schreiber, dass dort Mimik gar nicht gefragt sei. Wenn man lächle oder traurig aussehe, bekäme man sofort Zuschauerpost. „Ich habe mir die Mimik bei Meldungen abgewöhnt“, sagte er. Die Meldungen selbst bekomme ein Moderator erst kurz vor Sendebeginn zu sehen, geschrieben werden sie von der Redaktion. Eine politische oder andere Einflussnahme auf die Nachrichten gebe es nicht, antwortete der Hamburger, der für den Nachrichtensender NTV die deutsch-arabische Sendung „Marhaba“ moderierte, auf eine auf Arabisch gestellte Frage aus dem Publikum.

Auslöser für sein jüngstes Buch sei eine Sendung im Februar 2022 gewesen, schilderte Schreiber. Nach Beginn des Krieges in der Ukraine habe er nur noch schlechte Nachrichten verlesen müssen. Bei vielen Menschen sei eine Nachrichtenmüdigkeit entstanden und auch er habe sich gefragt, wie man aus dieser „dunklen Wolke“ wieder herauskommen könne.

Also habe er sich mit Positiver Psychologie beschäftigt, Studien gelesen und Experten befragt. Demnach können die Natur, Humor, Familie und soziale Beziehungen, aber auch Ehrfurcht und Neugier Glücksmomente auslösen und zufrieden und damit widerstandsfähiger gegen schlechte Nachrichten machen.

Es helfe zum Beispiel, eine Zeit lang keine sozialen Medien zu konsumieren und sich vorzunehmen, einen Tag lang freundlich zu sein, sagte Schreiber und las aus seinem Buch eine Situation vor, in der genau das nicht funktioniert hat. Diese war so wortgewandt geschildert, dass die Zuhörer dennoch ihren Spaß und damit einen weiteren Glücksmoment hatten.

Nach zwei Stunden, vor dem großen Schlussapplaus, hatte Volker Fuchs eine Idee, die vielleicht noch mehr Menschen im Uslarer Land glücklich machen könnte: Lach-Yoga im Schlosspark anzubieten.

Quelle: HNA - Sollinger Allgemeine vom 12. September 2023

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